Informationen zu den bevorstehenden Atommülltransporten:

Woher kommt der Müll?

In Jülich – keine 45 km Luftlinie von Köln befindet sich das Forschungszentrum (FZ) Jülich und auf ihrem Gelände die am stärksten strahlende Atomruine der Bundesrepublik: Der alte Forschungsreaktor der KFA Jülich. Hier wurde im Zeitraum 1966 bis 1988 das Konzept eines Kugelhaufenreaktors erprobt. Der radioaktive Brennstoff in Graphitkugeln gepresst- anstelle von Brennstäben- sollte einen automatisierten Kernspaltungsprozess völlig risikofrei garantieren. Ein Unfall galt als ausgeschlossen….
Aber genau darum, aufgrund eines Unfalls, ist die Cäsium und Strontium Verseuchung 10000-fach stärker als in normalen Reaktorbehältern.

Und nun möchte das Forschungszentrum gerne „atommüll-frei“ werden

Darum soll die strahlende Fracht von Jülich nach Ahaus verlagert werden. Transportiert wird in einem Konvoi von sechs LKW, beladen mit je einem CASTOR. Über Landstraße und Autobahn geht es vom Forschungszentrum
Jülich nach Ahaus, ins sogenannte Zwischenlager. Einmal pro Woche über 25 mal soll solch ein Konvoi mit hochradioaktiver Fracht über die Straßen geschickt werden.
Noch im Februar startet ein erster Probetransport um die technische Umsetzung zu erproben.

Lagerung im FZ Jülich oder im Zwischenlager Ahaus ?

152 CASTOREN lagern derzeit in einer Halle in Jülich. Einen vernünftigen Grund für den aufwendigen Straßentransport gibt es nicht. Die Lagerhallen in Ahaus und Jülich sind nahezu baugleich. Im Gegenteil,
während es in Ahaus außer der Lagerhalle keine weiteren Einrichtungen gibt, verfügt Jülich über eine sogenannte „heiße Zelle“, einer technischen Einrichtung zum reparieren der Behälter.
Und diese ist nötig, bei den ersten der schon in die Jahre gekommenen CASTOREN läuft die Betriebsgenehmigung in 10 Jahren aus. Um diese in neue Behälter packen zu können, müssen sie also zurück nach Jülich
transportiert werden. Von einem Sicherheitsgewinn kann also keine Rede sein. Diese Transporte stellen ein unnötiges Risiko dar.

Angebliche Notwendigkeit der Transporte

Aber einen gewichtigen Grund scheint es doch zu geben, warum gerade das FZ Jülich diese Transporte für notwendig hält:

«Wir wollen hier um die besten Köpfe der Welt konkurrieren. Und deshalb soll das Forschungszentrum Brennelementefrei werden» (Zitat..Aachener Nachrichten 6.2.2012)

Seine Verantwortung als Atommüll produzierender Betrieb will das FZ Jülich nicht wahrnehmen, staatliche Gelder für die Forschung wurden jedoch gerne genommen. Sollen die „führenden Köpfe“ gerne kommen und sich Gedanken machen, wie eine Entsorgung des produzierten Atommülls aussehen kann. Sinnlose und risikoreiche Atommülltransporte sind hierzu nicht nötig! Wir sagen nein zu diesen CASTOR Transporten!

Zum Störfall, der zu einer frühzeitigen Stilllegung führte

Ein Unfall galt als ausgeschlossen in diesem sehr kleinen Forschungsreaktor. Dass dem nicht so ist zeigte sich schon sehr bald, Die Kettenreaktion mit den Brennelementekugeln lief ungeplant und mit weit höheren Temperaturen ab als berechnet, die Graphitkugeln verklemmten und brachen teilweise.
Im Jahre 1978 konnte infolge einer defekten Schweißnaht Wasser in die Brennkammer einsickern. Ähnlich wie in Fukushima hätte es durch Bildung von Wasserdampf zu einer chemischen Reaktion, Entstehung von entzündlichen Gasen und zu einer Explosion kommen können. Nur durch einen glücklichen Umstand ist die Kettenreaktion somit nicht außer Kontrolle geraten– ein tschernobylähnlicher GAU ist ausgeblieben.

Ein GAU hätte die Umgebung von Jülich in einem weiten Umkreis radioaktiv verseucht, auch die beiden Großstädte Aachen und Köln, keine 50 km Luftlinie von Jülich, wären betroffen gewesen.

Weitere atomare Hinterlassenschaften für die nächsten 40-80 Jahre

Der Reaktorkern wurde 2008 mit Leichtbeton ausgefüllt und soll in absehbarer Zeit innerhalb des FZ in eine hierfür errichtete Lagerhalle verbracht werden. Aufgrund der hohen Radioaktivität im Reaktorkern wird für diese Zwischenlagerung 40-80 Jahre veranschlagt, danach soll der immer noch hochradioaktive Reaktorkern zersägt und in CASTORen verpackt werden. Unklar bleibt, wo dieser Müll hinkommen soll.