Informations- und Aktionsveranstaltung

mit
Dr. Rainer Moormann,
Mitarbeiter im Forschungszentrum Jülich und Kritiker der Atomtechnologie,
Aktivisten
der ANTI-URENCO-ALLIANZ

28. Juni 2012, 19 Uhr 30
ALTE FEUERWACHE, Melchiorstr. 3, Köln

1978 kam es im Jülicher Forschungsreaktor zu einem folgenschweren
Atomunfall. Der Beinahe-Gau wurde jahrzehntelang vertuscht, bis ihn ein
Mitarbeiter der Anlage publik machte. Die Schnellabschaltung war außer
Kontrolle geraten, Graphitkugeln verklemmten und brachen teilweise. In
die Brennkammer sickerte Wasser. Wie in Fukushima hätte es durch Bildung
von Wasserdampf leicht zur Explosion kommen können. Nur glückliche
Umstände verhinderten den Super-Gau. Trotzdem gelangten große Mengen
verseuchtes Material in den Boden und ins Grundwasser. Heute ist der
erst 1988 abgeschaltete Reaktor die am stärksten strahlende Atomruine
der Bundesrepublik. Um untersuchen zu können, wie stark der Boden unter
der Anlage verseucht ist, sind die Ingenieure auf die abenteuerliche
Idee verfallen, den Schrottreaktor zu kippen und in eine neu errichtete
Lagerhalle zu schieben, wo er weitere 40-80 Jahre abkühlen soll. Danach
soll der immer noch hochradioaktive Reaktorkern zersägt und
abtransportiert werden. Wohin, weiß natürlich niemand.

Auf dem Gelände in Jülich lagern derzeit 152 Castorbehälter mit
abgebrannten Brennelementen. Das Forschungszentrum will diese atomaren
Hinterlassenschaften, die den Forschungsstandort unattraktiv machen,
loswerden. Der Bund hat den Transport per LKW ins Zwischenlager Ahaus
bis zum Sommer 2013 bereits genehmigt. Doch es regt sich Widerstand
gegen den Castortransport quer durch die dicht besiedelte Region. Denn
das Vorhaben ist nicht nur gefährlich, sondern auch unsinnig. So soll
der Müll in einigen Jahren zur endgültigen Verpackung zurück nach
Jülich. Wohin die Reise im Anschluss geht, weiß auch niemand.

Der sogenannte Ausstieg aus der Atomenergie gilt sowieso nur für ein
paar Reaktoren und bedeutet keine STILLLEGUNG ALLER ATOMANLAGEN. Im
Gegenteil. Die in NRW ansässige Firma Urenco ist mit ihrer
Urananreicherungsanlage in Gronau weltweit der größte
Brennelemente-Hersteller. Die Forschung und Entwicklungsabteilung der
Atomfabrik sitzt nicht zufällig in Jülich, in unmittelbarer Nähe zum
Forschungszentrum. Zusammen mit dem Neubau der Gesellschaft für
Nuklear-Service (GNS) ist in Jülich ein regelrechtes Atom-Zentrum
entstanden.

Von den vielfältigen Protesten gegen den Castor-Transport 2011 nach
Gorleben inspiriert, wollen wir unseren Widerstand gegen die
Atomforschung und den unverantwortlichen Atommüll-Tourismus in NRW
verstärken. Der jüngste Autobahnaktionstag gegen die Transporte war ein
guter Anfang. Atomindustrie und Regierung sollen angesichts der
fortgesetzten Brennelemente-Fertigung hierzulande, die den Betrieb
Hunderter von Atomreaktoren weltweit ermöglicht, nicht ungestraft von
einem „Ausstieg aus der Atomtechnologie“ reden können.

Veranstalter: Kölner Anti-Atom-Plenum www.antiatomplenum.blogsport.de
Mitveranstalter: Friedensbildungswerk Köln, atomisches Café- Köln

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