Thesenpapier zur Forschung am HTR in Jülich und Aachen

Hallo,

hier ein Vorschlag betreffend Beendigung der noch fortdauernden HTR-Forschung in Jülich/Aachen. Wäre das auch etwas für die LaKo?

Wie auch den Aachener Zeitungen zu entnehmen war,

http://www.aachener-nachrichten.de/artikel/2593031

http://www.aachener-zeitung.de/lokales/euregio-detail-az/2613264/Wie-viel-Kernforschung-in-Juelich-und-Aachen-ist-sinnvoll

wird in Aachen/Jülich immer noch an Kugelhaufen-HTR geforscht, z.T. mit Unterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums. Ich halte das für ärgerlich einmal angesichts der Tatsache, dass eine klares Konzept zum Rückbau der Kugelhaufenreaktor-Altlasten bisher nicht existiert und sich Jülich/Aachen mit entsprechender Forschung hier auch fast nicht engagieren. Zum anderen halte ich die Reaktorentwicklung für unangemessen, weil die Aachen/Jülicher Nukleartechnik die notwendige Aufarbeitung der dunklen und in weiten Teilen vertuschten Betriebshistorie der NRW-Kugelhaufenreaktoren nicht nur nicht durchgeführt hat, sondern hintertrieben hat und noch immer hintertreibt.
Die fortdauernde Kugelhaufenreaktorentwicklung wird u.a. mit dem Argument gerechtfertigt, es handle sich um Sicherheitsforschung und sei damit zulässig und notwendig. Im klassischen Sinne Sicherheitsforschung ist es aber nicht; vielmehr verfolgt Aachen/Jülich seit vielen Jahren die Taktik, praktisch alle Nuklearforschung zu Sicherheitsforschung und damit zulässig zu erklären (mit einem gewissen Recht, denn in dieser Hochrisikotechnologie ist praktisch jede Entwicklung auch irgendwie sicherheitsrelevant). Angesichts der Tatsache, dass es in Europa keine Kugelhaufenreaktoren gibt und auch keinerlei Interesse, solche zu bauen, ist die Notwendigkeit solcher Forschung jedoch mehr als fraglich.

Was kann nun realistischerweise getan werden ?

Betreffend RWTH Aachen sind die Möglichkeiten begrenzt. Hier gilt die Forschungsfreiheit. Ansetzen kann man vielleicht bei der Förderung der HTR-Forschung durch das Wirtschaftsministerium, um diese auf politischem Wege zu beenden. Ansetzen könnte man auch bei der Industriefinanzierung des Aachener Reaktortechniklehrstuhls (RWE, Thyssen), die bis 2013 läuft und deren Verlängerung an entsprechende Bedingungen geknüpft werden könnte: RWE ist definitiv nicht an Kugelhaufenreaktorforschung interessiert (das war schon zu Grossmann-Zeiten so und dürfte jetzt verstärkt gelten) und Thyssen dürfte ebenfalls das Interesse daran verloren haben, da der Bau der HTR-Brennelementefabrik in Südafrika durch die Thyssen-Tochter Uhde nach dem Zusammenbruch des südafrikanischen Kugelhaufenreaktors abgebrochen wurde. Ansonsten steht die Neubesetzung des Aachener Lehrstuhls 2017 an, und im Vorfeld sollte darauf gedrängt werden, dass die RWTH dem Lehrstuhl eine andere, gesellschaftlich relevante Ausrichtung gibt.

Anders sieht es am Forschungszentrum Jülich aus. Dort gilt das Direktionsrecht des Vorstands. Konkret wird das so gehandhabt, dass die Institutsleiter 5-Jahresverträge bekommen, in denen auch die Forschungsschwerpunkte der Institute festgelegt werden. Die Umpolung mehrerer großer FZJ-Institute mit Kugelhaufenreaktorforschung (IRB, IRW…) auf andere Gebiete nach Stilllegung von AVR und THTR Ende der 1980′er Jahre ist über solche Verträge erzwungen worden. Der derzeitige RWTH-Lehrstuhlinhaber für Reaktortechnik Prof. Allelein, der die Kugelhaufenreaktorforschung immer noch durchführt, ist gleichzeitig Institutsleiter in Jülich. Sein erster 5-Jahresvertrag mit dem FZJ läuft im Sommer 2013 aus und es besteht daher aktuell die Möglichkeit, den neuen Vertrag so zu beeinflussen, dass in Zukunft in Jülich keine Kugelhaufenreaktorforschung – außer zum Rückbau und Zuarbeit zur Aufarbeitung der vertuschten Aspekte der HTR-Vergangenheit – mehr gemacht wird. Ich schätze den FZJ-Vorstand, speziell den für alle Energiefragen zuständigen eher HTR-freundlichen Bereichsvorstand, allerdings nicht so ein, dass er ohne Druck von außen die Entwicklungsarbeiten zu Kugelhaufenreaktoren beenden würde. Politische Einflussnahme wäre über das Land NRW im Aufsichtsrat möglich: Die nächste Aufsichtsratssitzung findet im Herbst 2012 statt. Öffentlicher Druck und Aufklärung könnten naturgemäß erheblich dabei helfen. Ein Wegfall der Kugelhaufenreaktorentwicklung in Jülich würde auch die Arbeiten an der RWTH erheblich beeinträchtigen, da große experimentelle Möglichkeiten nur in Jülich gegeben sind.

Gruß

Rainer Moormann

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • email
  • Add to favorites